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Goodbye, For Now

14. Aug. 2022

Liebe Freund*innen und Kolleg*innen,

in diesem historischen Moment globaler Krisen, in dem gesellschaftspolitische und ökonomische Turbulenzen bereits jeden Aspekt unseres Lebens beeinflusst haben oder bald beeinflussen werden, hat das Times Art Center Berlin (TACB) beschlossen, seinen physischen Raum in Berlin Mitte zu verlassen. Als experimentelle Plattform für Entwicklungen und Transformation, kreativen Austausch und gemeinschaftliche Begegnungen wird das TACB weiterhin flexible und vielseitige Formen der künstlerischen Produktion erforschen. 

Wir möchten uns von ganzem Herzen bei unseren Künstler*innen, Kooperationspartner*innen und dem Publikum bedanken, die uns in den letzten Jahren mit unschätzbarem Wissen und Erfahrungen versorgt haben, welche unsere herausfordernden, transkulturellen Projekte sehr bereichert haben.

Seit 2018 hat das TACB internationale Einzel- und Gruppenausstellungen produziert und in Auftrag gegeben sowie Online- und Offline-Programme mit Vorträgen, Gesprächen, Publikationen und Filmvorführungen organisiert: Von der umfassenden Ausstellung The D-Tale – Video Art from the Pearl River Delta, mit der der erste Ausstellungsraum in der Potsdamer Straße eröffnet wurde und die sich auf die institutionellen Wurzeln des TACB, nämlich die künstlerische Vielfalt des Greater Bay Area zwischen Guangdong, Hongkong und Macau konzentrierte, bis hin zur aktuellen Einzelausstellung Earwax von Wong Ping. Die Ausstellungen und das weitere Programm griffen Ideen und Diskurse zu Vielfalt, transkulturellem Austausch und Verbundenheit in und über Berlin und Europa hinaus auf und trugen zu ihnen bei. 

Das TACB versteht sich als Plattform für globale, zeitgenössische Kunstpraktiken und akademische Dialoge und fördert Perspektiven und Wissen um zeitgenössische asiatische Kunst in einem globalen Kontext. In einer Reihe von Gruppenausstellungen hat die Institution dieses Feld bereits aktiv und auf innovative Weise untersucht: Neither Black / Red / Yellow Nor Woman (2019), die erste Ausstellung in unseren aktuellen Räumlichkeiten in der Brunnenstraße 9, sowie das interdisziplinäre Symposium Floating Constellations brachten dem Berliner Publikum vielfältige Perspektiven und diasporische Erfahrungen bekannter asiatischer Künstlerinnen nahe. Im Jahr 2020 begann die Pandemie und damit eine Zeit der Ungewissheit und Instabilität, die aber auch neue Möglichkeiten des Austauschs und der Begegnung mit sich brachte. Die Ausstellung Readings from Below (2020) befasste sich mit der künstlerischen Arbeit an Archiven und untersuchte, wie das virtuelle Potenzial des Archivs neue Lesarten unserer komplexen Gegenwart sichtbar machen kann. Angst, Keine Angst (2021), unsere bisher anspruchsvollste Ausstellung, fokussierte sich mit künstlerischen Perspektiven auf die Unsicherheiten und Ängste der Gegenwart; in drei Kapiteln eröffnete das Projekt neue Blickwinkel auf Möglichkeiten des interkulturellen künstlerischen Austauschs und die menschliche Widerstandsfähigkeit. Más Allá, el Mar Canta (2021) brachte Künstler*innen aus Zentralamerika und der Karibik in Berlin zusammen und zeigte Migrationsgeschichten als Räume für diasporische Gemeinschaft und Widerstand.

Mit den Einzelausstellungen von Kan Xuan (Racing Gravel, 2019), Zhou Tao (Winter North Summer South, 2020) und Wong Ping (Earwax, 2022) hat das TACB aufstrebende und junge Künstler*innen präsentiert. Die Vielfalt zeitgenössischer Kunstpraktiken zu fördern sowie neue Werke in Auftrag zu geben, zu produzieren und im Kontext der pulsierenden Berliner Kulturlandschaft zu präsentieren, ist unser Anliegen.

Wir blicken auf eine belebende Zeit voller eindrücklicher Gespräche, kreativer Herausforderungen und Kooperationen zurück, die das TACB mit unzähligen Künstler*innen, Kurator*innen und Wissenschaftler*innen teilte und die ein breites Spektrum globaler zeitgenössischer Kunstpraktiken sowohl in der lokalen als auch in der internationalen Kunstszene zusammenbrachte. Wir sind sehr dankbar für die fortwährende Unterstützung durch die globale Kunst- und Kulturgemeinschaft und schätzen uns glücklich, gleichgesinnte Communities und unabhängige Projekte gefunden zu haben, mit denen wir im Laufe der Jahre zusammenarbeiten konnten.

Wir möchten unserer Parallelinstitution, dem Guangdong Times Museum, das das TACB-Projekt initiiert und kontinuierlich unterstützt hat, unseren herzlichsten Dank aussprechen. Unser Dank gilt auch unseren Kolleg*innen und Gleichgesinnten in Guangzhou; sie waren gleichsam ‚transkontinentale‘ Mitglieder der großen TACB-Familie. In unsicheren Zeiten, wie wir sie heute erleben, werden wir noch enger mit dem Guangdong Times Museum arbeiten und weiterhin nachhaltige Möglichkeiten, verschiedene Formen der Zusammenarbeit und künstlerische Experimente in unterschiedlichen Räumen zwischen dem Digitalen und dem Physischen erkunden. Wir freuen uns darauf, eines Tages ein neues Kapitel des TACB aufzuschlagen.

Wir danken allen Kunst- und Kulturschaffenden aus aller Welt, die das Times Art Center Berlin von Anfang an unterstützt haben. Ein vorläufiger Abschied ist auch der Beginn einer neuen Begegnung!

Xi Bei, Künstlerische Direktorin des TACB und das gesamte Team