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Kan Xuan: Racing Gravels

26. Apr.–29. Jun. 2019

Kuratiert von Tan Yue

Die Videokünstlerin Kan Xuan lebt und arbeitet zwischen Beijing und Amsterdam. In ihren Arbeiten geht sie stets von persönlicher Erfahrung aus, um versteckte, komplexe Beziehungen zwischen objektiver Existenz und subjektiven Empfindungen sichtbar zu machen: Von frühen Werken wie Kan Xuan! Ai! (1999), in dem sie Identitätspolitik im Kräftespiel von Mainstream-Ideologie und gesellschaftlichen Riten untersucht, über die Hinterfragung der Dinglichkeit von Waren und der globalisierten Konsumkultur, in denen sie zirkulieren, bis hin zum neueren Werk Kū Lüè Er (2016), in dem ihre langwierige Suche nach den schwindenden Überresten alter Königreiche sichtbar wird. Präzise, geistreich und ironisch verbindet Kan Xuan in ihrem einzigartigen visuellen Lexikon spielerischen Feinsinn mit metaphorischer Tiefe.

Kan Xuan, Racing Gravels, Ausstellungsansicht, Fotog: graysc.de

Kan Xuan, Racing Gravels, 2018, Video Still, mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin

Kan Xuan, Racing Gravels, Ausstellungsansicht, Foto: graysc.de

Die Ausstellung Racing Gravels zeigt eine Reihe neuer Videoarbeiten der Künstlerin Kan Xuan, für die ihre nebenberufliche Tätigkeit in der Werbeindustrie impulsgebend ist. In den letzten 18 Jahren hat Kan Xuan immer wieder Filme für chinesische und internationale Autohersteller sowie Internet- und IT-Firmen gedreht. Der Kontakt zu verschiedenen Marken und Technologien regte sie dazu an, sich damit weiter auseinanderzusetzen und Rituale des Konsums, die Ethik der Technologien und die Wirtschaftspolitik der Unternehmen kritisch zu lesen und zu hinterfragen. Gewöhnliche Momente unserer hochkommerzialisierten Welt seziert die Künstlerin aus ihrer persönlichen Sicht in humorvollen Kommentaren, ohne jedoch Metanarrative zu entwerfen. Kan Xuan übt keine offensichtliche plakative Kritik, sondern deckt subtil und schonungslos auf, wie selbst kleinste Details des Alltags in unserer Konsumgesellschaft zum Spektakel entfremdet werden können.

In der von Guy Debord beschriebenen Gesellschaft des Spektakels werden Menschen von einem Strudel äußerlicher Bedürfnisse und Bilder gefangen gehalten, die von Werbung, Entertainment, Presse und Technologien erzeugt werden. Die zeitgenössische Gesellschaft ist vom „Fluch“ Debords gezeichnet, der mit fortschreitenden technischen Innovationen wächst. Bilderfluten blockieren alle von Menschen genutzten Interfaces und eingebettete Werbeinformationen dringen in jeden Zentimeter des Lebens ein. Offensichtlich will Kan Xuan aber keine Mitproduzentin dieser visuellen Überflutung sein. Ihre Instinkte und Sensibilität als Künstlerin führen sie zum klaren Erkennen von Gewalt und grotesken Elementen, die in der Bilder- und Informationsflut verborgen liegen.

Die Anziehungskraft der Werke Kan Xuans zeigt sich ohne Zweifel in der Sprache, die klar und subtil, aber nicht ohne Humor ist. Die geschickte Übertragung der individuellen Lebenserfahrung ins künstlerische Schaffen ruft in uns oft starke Resonanz hervor. Gleichzeitig stellen ihre Werke die elementare Fragen: Wer sind wir in diesem Kontext? Sind wir die Parolen rufenden kopflosen Gurken? Oder die auf einer Stange tänzelnden und wirbelnden Gewinde (New Middle Class, 2018)? Kann die Umdeutung des Alltags ein wirksames Werkzeug der Kritik sein? In ihrer eigenen künstlerischen Sprache beschreibt Kan Xuan eine Situation, die lebendig, reichhaltig aber auch widerspruchsvoll ist; sie deutet an, dass wir uns, sowohl in China als auch auf der ganzen Welt, in einer hoch kommerzialisierten und technisch beschleunigten Gesellschaft befinden und zu einem unbekannten Endpunkt fortschreiten, wie die Autos in Racing Gravels (2018), die schwerfällig auf einer nächtlichen Schotterpiste kriechen. Vielleicht ist dies das die Essenz Lebens: die Verflechtung von Absurdität und Realität, dieses Nebeneinander von Geschwindigkeit und Hindernissen, das Miteinander von Fröhlichkeit und Hilflosigkeit, die Gleichzeitigkeit von Enttäuschung und Hoffnung.

Die Exponate dieser Ausstellung sind zum Teil im Rahmen der Ausstellung Walk Strangely, Stay Strangely – Kan Xuan and Sora Kim: A Double One Woman Show zu sehen im Times Museum vom 15. Dezember 2018 bis 1. Februar 2019, entstanden.

Kan Xuan, V 70, 2018
Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin

Kan Xuan, Racing Gravels, 
Ausstellungsansicht, Foto: graysc.de

Kan Xuan, Island, 2006-2009, Video Still

Kan Xuan, Racing Gravels, Ausstellungsansicht

Kan Xuan, Racing Gravels, Ausstellungsansicht

Kan Xuan, Island, 
2006-2009, Video Still

Kan Xuan, Racing Gravels, Ausstellungsansicht

Kan Xuan, I Want to be a New Person!
2018, Video Still


Vorherige Ausstellung:

The D-Tale, Video Art from the Pearl River Delta

01. Dez.–13. Apr. 2019

Nächste Ausstellung

Neither Black / Red / Yellow Nor Woman

28. Sept.–11. Jan. 2020